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Steißbeinfistel – Sinus pilonidalis schonend behandeln
Eine Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis, Pilonidalsinus) entsteht meist im oberen Bereich der Gesäßfalte. Oft fällt sie zunächst nur durch kleine punktförmige Hautöffnungen auf. Andere Patienten bemerken wiederkehrende Absonderungen, eine Schwellung oder plötzlich starke Schmerzen durch einen Abszess.
Nicht jede Steißbeinfistel muss operiert werden. Ist eine Behandlung erforderlich, bevorzugen wir – wann immer der Befund es erlaubt – möglichst kleine und gewebeschonende Eingriffe, beispielsweise das Pit-Picking. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Ausdehnung, der Lage und dem aktuellen Entzündungszustand ab.
Was ist eine Steißbeinfistel und wie entsteht sie?
Eine Steißbeinfistel ist eine meist erworbene Veränderung der Haut und des Unterhautgewebes in der Gesäßfalte. Lose Haare können in die Haut eindringen und dort eine Fremdkörperreaktion auslösen. So entstehen kleine Öffnungen, sogenannte Pits, und gegebenenfalls Fistelgänge unter der Haut.
Der Name ist etwas irreführend: Die Erkrankung betrifft normalerweise die Haut und das Unterhautgewebe über dem Steißbein, nicht den Steißbeinknochen selbst.
Wie erkenne ich eine Steißbeinfistel?
Typisch sind ein oder mehrere kleine, dunkle Punkte oder Öffnungen in der Mittellinie der oberen Gesäßfalte. Zusätzlich können sich seitlich davon weitere Öffnungen oder kleine Schwellungen zeigen. Eine Steißbeinfistel kann lange Zeit ohne Schmerzen bestehen. Bei einer Entzündung können Rötung, Druckschmerz, Sekretion oder eine schmerzhafte Schwellung hinzukommen.
Die folgenden bewusst stark vereinfachten Schemazeichnungen zeigen, wo solche Veränderungen auftreten können. Kleine primäre Fistelöffnungen liegen typischerweise in der Mitte der Gesäßfalte; zusätzliche Öffnungen können auch seitlich liegen. Eine Schwellung muss nicht vorhanden sein.
Muss eine Steißbeinfistel immer operiert werden?
Nein. Eine vollständig beschwerdefreie Steißbeinfistel ohne akute Entzündung muss nicht vorsorglich operiert werden. Wir betreuen einzelne Patienten mit einem solchen Befund bereits seit Jahren ohne Operation.
Im Vordergrund stehen die individuelle Beratung, gegebenenfalls Kontrolluntersuchungen und das Erkennen erster Entzündungszeichen. Wir besprechen, wie sich unnötige Reizungen der Gesäßfalte vermeiden lassen und wann eine erneute Vorstellung sinnvoll ist. Entwickeln sich Beschwerden, bewerten wir die Situation neu.
Hausmittel und Zugsalben können bestehende Fistelgänge nicht zuverlässig beseitigen. Bei einem akuten Abszess ersetzen sie keinesfalls eine notwendige ärztliche Behandlung.
Pit-Picking – kleine Zugänge statt großer Wunde
Bei einer begrenzten, chronisch symptomatischen Steißbeinfistel ist das Pit-Picking häufig eine geeignete gewebeschonende Behandlung. Dabei entfernen wir die kleinen Fistelöffnungen gezielt und behandeln das betroffene Fistelgewebe über möglichst kleine Zugänge. Eine großflächige Ausschneidung von Haut und Unterhautgewebe soll vermieden werden, sofern der Befund dies erlaubt.
Wir führen das Pit-Picking meist ambulant in örtlicher Betäubung in unserer Praxis im MARE Klinikum durch. Eine Vollnarkose ist dafür in der Regel nicht erforderlich. Ob sich die Methode eignet, entscheiden wir nach der Untersuchung.
Ein kleiner Eingriff bedeutet allerdings nicht, dass ein Rückfall ausgeschlossen wäre. Minimalinvasive Verfahren können bei geeigneten Befunden die Belastung und Wundgröße reduzieren; die langfristige Rückfallwahrscheinlichkeit muss bei der Verfahrenswahl mitbedacht werden.
Wie erfolgt die Nachbehandlung nach Pit-Picking?
Nach dem Eingriff werden die kleinen Operationswunden mit einem sterilen Wundverband abgedeckt. Unser Nachbehandlungskonzept zielt auf eine möglichst ungestörte, trockene Abheilung. Ein regelmäßiges Ausduschen oder Ausspülen der Wunden ist nicht Bestandteil unserer Nachbehandlung.
Normales Duschen ist nach 48 Stunden wieder möglich. Auf Sport sollten Sie für etwa zwei Wochen verzichten. Die weitere Versorgung und gegebenenfalls erforderliche Verbandwechsel erläutern wir Ihnen persönlich.
Das Sitzen ist häufig nur moderat eingeschränkt: Die kleinen Wunden befinden sich meist am oberen Ende der Gesäßfalte und damit nicht unmittelbar im Bereich der stärksten Sitzbelastung. Bei einer körperlich wenig belastenden, überwiegend sitzenden Tätigkeit ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz oft innerhalb von weniger als zwei Wochen möglich. Die tatsächliche Arbeitsunfähigkeit richtet sich nach Ihrem Befund und Ihrer beruflichen Belastung.
Was tun, wenn die Steißbeinfistel wiederkommt?
Eine erneut auftretende Steißbeinfistel nennen wir Rezidiv. Auch nach einer bereits erfolgten Operation ist bei einem begrenzten Befund manchmal erneut ein Pit-Picking möglich. Eine frühere Operation bedeutet also nicht automatisch, dass nun eine große Wunde notwendig wird.
Bei entzündlichen Veränderungen kann es im Einzelfall sinnvoll sein, die Entzündung zunächst gezielt zu behandeln. Dazu kann bei passender klinischer Situation auch eine zeitlich begrenzte orale Antibiotikatherapie gehören. Antibiotika allein beseitigen jedoch weder einen bestehenden Fistelgang noch ersetzen sie die notwendige Drainage eines Abszesses.
Bei tiefer in der Gesäßfalte gelegenen oder ausgedehnteren Rezidiven bevorzugen wir häufig die intraoperative Darstellung der Fistelgänge mit Farbstoff. Anschließend behandeln beziehungsweise entfernen wir das erkrankte Gewebe gezielt über einen möglichst kleinen Hautschnitt. Solche Eingriffe führen wir in der Regel in Vollnarkose im Sankt Elisabeth Krankenhaus in Kiel durch.
Welche Methode die besten Aussichten bietet, lässt sich nur anhand des konkreten Befunds entscheiden.
Akuter Steißbeinabszess – was ist jetzt wichtig?
Eine plötzlich zunehmende, stark schmerzhafte Schwellung an der Gesäßfalte kann auf einen Pilonidalabszess (Steißbeinabszess) hinweisen. In diesem Fall ist eine zeitnahe ärztliche Untersuchung wichtig. Wenn sich Eiter angesammelt hat, muss der Abszess in der Regel ausreichend operativ eröffnet und entlastet werden. Eine alleinige Behandlung mit Antibiotika oder Zugsalbe ist dann normalerweise nicht ausreichend.
Bei einem akuten schmerzhaften Befund kontaktieren Sie uns bitte unter 0431 97995 380. Bei Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl oder rascher Verschlechterung benötigen Sie eine unmittelbare ärztliche beziehungsweise notfallmedizinische Versorgung.
Ob nach der Behandlung des Abszesses noch eine weitere Operation der Fistel erforderlich ist, beurteilen wir im Verlauf. Das ist nicht in jedem Fall notwendig.
Ist eine Laserbehandlung der Steißbeinfistel sinnvoll?
Bei der sogenannten SiLaC-Methode wird eine dünne Lasersonde in den Fistelbereich eingeführt. Mit Wärmeenergie sollen die Fistelgänge von innen behandelt und ihr Verschluss gefördert werden. Je nach angewandter Technik können die Fistelöffnungen zuvor eröffnet und der Fistelbereich mechanisch gereinigt werden.
Die Methode klingt nach moderner, besonders schonender Medizintechnik. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist jedoch nicht die eingesetzte Technik, sondern die möglichst dauerhafte Heilung.
Die wissenschaftlichen Langzeitergebnisse sind bislang nicht ausreichend gesichert. Einzelne neuere Untersuchungen zeigen insbesondere bei wiederkehrenden Steißbeinfisteln vergleichsweise hohe Rückfallquoten. Ob die Laserbehandlung hinsichtlich der langfristigen Heilungsergebnisse mit den bewährten Operationsverfahren mithalten kann, ist daher weiterhin fraglich.
Wir führen SiLaC nicht durch. Wir bevorzugen etablierte, möglichst gewebeschonende Operationsverfahren, die wir individuell an den jeweiligen Befund anpassen. Eine Laserbehandlung ist nicht mit der Laser-Haarentfernung zur möglichen Rückfallvorbeugung gleichzusetzen.
Wie wichtig sind Narben und die natürliche Gesäßkontur?
Viele Patienten fürchten eine große offene Wunde, eine lange Wundheilung oder eine sichtbare Veränderung der Gesäßfalte. Diese Sorgen nehmen wir ernst.
Deshalb versuchen wir, wo medizinisch vertretbar, gesunde Haut und gesundes Unterhautgewebe zu schonen und unnötig große Defekte zu vermeiden. Das gilt auch bei der Behandlung eines Rezidivs. Unser Grundsatz lautet: so wenig Gewebe wie möglich, aber so viel Behandlung wie erforderlich.
Ein kleines Operationsgebiet allein garantiert allerdings keine dauerhafte Heilung. Die Aussicht auf eine zuverlässige Ausheilung und das kosmetische Ergebnis betrachten wir gemeinsam.
Häufige Fragen zur Steißbeinfistel
Kann eine Steißbeinfistel von allein verschwinden?
Eine beschwerdefreie Steißbeinfistel kann über lange Zeit unverändert bleiben und muss nicht behandelt werden. Bereits entstandene Fistelgänge verschwinden durch Hausmittel oder Salben jedoch nicht zuverlässig. Entscheidend ist, ob Beschwerden oder Entzündungen bestehen.
Kann ich nach einer Pit-Picking-OP sitzen und arbeiten?
Das Sitzen ist nach einem begrenzten Eingriff häufig nur wenig beeinträchtigt. Bei körperlich leichter Arbeit ist die Rückkehr oft innerhalb von weniger als zwei Wochen möglich. Bei stärkerer Belastung können längere Einschränkungen notwendig sein.
Wie lange dauert die Wundheilung?
Das hängt wesentlich von der Art und Ausdehnung des Eingriffs ab. Kleine Pit-Picking-Wunden sind nicht mit einer größeren offenen Wunde nach ausgedehnter Exzision vergleichbar. Über die zu erwartende Wundheilung und die notwendige Versorgung informieren wir Sie für Ihren individuellen Befund.
Kann die Steißbeinfistel erneut auftreten?
Ja, ein Rezidiv ist nach jedem Verfahren möglich. Je nach Lage und Ausdehnung kann auch dann eine erneute gezielte und gewebeschonende Behandlung infrage kommen.
Welcher Arzt behandelt eine Steißbeinfistel?
Für die Beurteilung und operative Behandlung ist eine chirurgische Praxis eine geeignete Anlaufstelle. Wir beraten Sie auch dann, wenn noch unklar ist, ob überhaupt eine Operation notwendig ist.
Was erwartet mich beim ersten Termin?
Auch Patienten mit längerer Anreise stellen sich bei uns gezielt zur Beurteilung einer Steißbeinfistel vor.
Bei der ersten Untersuchung beurteilen wir den Befund und besprechen mit Ihnen, ob eine weitere Beobachtung, ein kleiner ambulanter Eingriff oder ein anderes Behandlungsverfahren sinnvoll ist.
Bitte beachten Sie: Der erste Termin dient der Untersuchung, Beratung und gegebenenfalls der Operationsplanung. Eine Operation findet an diesem Tag in aller Regel nicht statt.
Auch kleinere Eingriffe müssen sorgfältig vorbereitet und organisatorisch geplant werden. Sollte eine Operation erforderlich sein, vereinbaren wir dafür gemeinsam mit Ihnen einen gesonderten Termin.